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Was ist ein Goth?

gothic-szene

Autor: Christoph Scholder

jugendszenen.com
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gothic

Suizidgefährdet, satanististisch, rechtsradikal: Nur drei Klischees von vielen, die nicht zutreffen; die Kultur der Gothics befördert keine dieser Neigungen.

'Gothic' klingt mittelalterlich, dunkel und dennoch (durch das 'c') irgendwie 'modern'. Einerseits hängen sie einer längst vergangenen Zeit romantisierend nach und geben dem in ihren Lebens- und Kleidungsstilen deutlichen Ausdruck. Andererseits verkörpern sie durch ihren Fokus auf Ästhetik und Individualität eine ausgeprägt spätmoderne Existenzform.

In jedem Fall verstehen sich Gothics als Elite - eine Elite, die der oberflächlichen Welt den Rücken kehrt, indem sie sich auf ihre ganz spezielle Weise mit weitgehend unbeachteten Themen wie dem Tod beschäftigt.


history

Der Begriff 'Gothic' fand erstmalig Ende der 70er Jahre Erwähnung. Die meisten Bands distanzierten sich allerdings zunächst von dieser Bezeichnung, die sich unter Musikjournalisten in den frühen 80er Jahren zur Beschreibung eines neuen, ruhigeren und melancholischeren Musikstils weitgehend durchsetzte. Als wichtige Bands galten (unter anderem) 'Siouxsie and the Banshees', 'Joy Division', 'Bauhaus' und 'Sisters of Mercy'.

Was zunächst als 'New Wave' und später als 'Gothic' bezeichnet wurde, stand ebenso wie Punk im Gegensatz zur Diskomusik der 70er Jahre. Eine Überschneidung mit der Punk-Szene wurde damals insbesondere daran deutlich, daß Gothic-Bands in Deutschland als Dark-Punk-Bands bezeichnet wurden. Der stilistischen Abspaltung folgte zum Ende der 80er Jahre jedoch eine Grenzziehung, die auf unterschiedlichen Denkweisen basierte. Gothics wollten sich nicht (mehr) mit Punks und ihrer 'Straßenkultur' identifiziert wissen.

Insbesondere in den 90er Jahren bildeten sich neue musikalische Substile heraus, die sich durch die Verwendung klassischer, sakraler oder auch elektronischer Klänge und Stilmittel von den bisherigen Strömungen - Dark-Punk, Wave und Gothic-Rock - unterschieden. Nicht zuletzt durch diese Entwicklung läßt sich die Herausbildung einer der wichtigsten Richtungen innerhalb der Schwarzen Szene, der 'Electronic Body Music' (EBM), erklären.


fact&trends

Während die Szene in den 80er Jahren immer größer geworden und danach etwas geschrumpft war, zeichnet sich aktuell wieder eine steigende Tendenz ab. Beim Leipziger Wave-Gothic-Treffen dem wichtigsten Event der Szene - kamen 1999 etwa 50.000 'Grufties' zusammen. Diese Besucherzahl erlaubt die Festlegung eines Schätzwertes von etwa 70.000 bis 90.000 'Gothics' in Deutschland.

Das Alter der Szenemitglieder reicht von ca. 14 bis 40 Jahren. Es finden sich auffallend viele Personen mit sozialwissenschaftlichem Studium bzw. mit entsprechenden Berufen - insgesamt gibt es jedoch keinen Überhang an höheren Bildungsabschlüssen.

Hinsichtlich der quantitativen Relation der Geschlechter stellt die Schwarze Szene mit relativ gleichgroßen Anteilen weiblicher und männlicher Szenemitglieder - im Vergleich zu den meisten anderen Szenen - eine Ausnahme dar.


fokus

Es sind drei große Thematiken, die in der Schwarzen Szene eine bedeutende, für das einzelne Mitglied allerdings unterschiedlich gewichtige Rolle spielen. Der erste Themenkomplex umfaßt stilistische Aspekte und betrifft vor allem das 'Outfit', welches zumeist in schwarz gehalten ist, ansonsten aber in vielfältigen Variationen vorkommt. Anfertigen, Auswählen, Kombinieren und Zur-Schau-Stellen von Kleidung, Frisur und Accessoires machen einen großen Teil der Szeneaktivitäten aus. Zum anderen richten sich stilistische Ansprüche an die Musik: Gothic-Musik dient nicht nur als Tanzmusik, sondern erfüllt auch jenseits der Tanzfläche eine bedeutsame Funktion. Gothics hören Musik vielfach zu Hause und allein - sozusagen als Hintergrundmusik -, um sich durch den meist 'ruhigen' Klang sowie die manchmal depressiven und nicht selten den Tod betreffenden Texte in eine nachdenkliche Stimmung versetzen zu lassen.

Denn Gothic sein heißt zweitens, über die Welt nachzudenken, sich auf die Sinnsuche zu begeben, sich selbst zu verwirklichen und seinen eigenen Stil zu finden. Daher besteht ein nicht unerheblicher Teil des Alltags eines 'Schwarzen darin, sich an Orten aufzuhalten oder spazieren zu gehen, die eine melancholische oder romantische Stimmung verstärken (z.B. Friedhöfe, Kirchen oder Wälder). Desweiteren kann die Auseinandersetzung mit der Welt auch durch Lesen oder Gedichte-Schreiben stattfinden.

Mythologie, Religiosität und Vergangenheit bilden den dritten Themenkreis. Während die Wichtigkeit der Vergangenheit schon in der Selbstbezeichnung deutlich wird und sich oftmals im Kleidungsstil ausdrückt, zeigen sich religiöse und mythologische Motive in den überall präsenten Symbolen wie z.B. Kreuz, Pentagramm oder Totenkopf. Unterschiedlichste Religionen und Mythen werden durch Gothics nicht nur hinsichtlich des Sinngehalts für das eigene Leben hinterfragt, sondern auch entsprechend der eigenen Einstellung z.T. bruchstückhaft übernommen und/oder umgedeutet.


einstellung

Gothics sehen sich selbst als Denker und Poeten. Daraus entsteht eine melancholische Grundhaltung, durch die sich viele Gothics einerseits einsam, andererseits den als 'normal' und 'oberflächlich' angesehenen Menschen überlegen fühlen.

Man bemüht sich in der Szene um Offenheit verstanden als die Bereitschaft, über sogenannte 'Tabuthemen' zu reden. Nicht selten sind damit Themen im Bereich der Sexualität gemeint, weshalb z.B. starke Überschneidungen mit der Sado-Maso-Szene (SM) kein Zufall sind.

Gerade im Zusammenhang mit einer 'Unterwanderung' der Szene durch (politisch) 'rechte' Gruppen wird in der Szene allerdings viel darüber diskutiert, inwieweit diese Offenheit nicht bisweilen mit Ignoranz verwechselt wird.

Der Begriff 'unterwandern' ist in der Szene recht beliebt. Hier zeigt sich eine bedeutende Facette des Gothic-Weltbildes, die Unterscheidung von Wesen und Erscheinung: Man geht davon aus, daß hinter den weltlichen Erscheinungen unerfahrbare Kräfte walten. Daraus erklärt sich die Vorliebe der Szene für Esoterik, Mythologie, Religion, Symbole und Rituale.


lifestyle

Hintergrund vieler Elemente des typischen Gothic-Alltags ist eine Vorstellung von Romantik, die mit 'dunklen Orten' zusammenhängt: Tendenziell wird für Aktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände die Nacht dem Tage vorgezogen; entsprechend ist die Wohnung typischerweise dunkel gehalten. In der Zurückgezogenheit der eigenen Wohnung spielt sich ein erheblicher Teil des Alltags ab, denn Gothics lesen viel, malen, schreiben, hören Musik, denken nach, bevorzugen also kontemplative Tätigkeiten.

Das (implizite) Motto der Szene lautet: 'Finde dich selbst, sei individuell'. Und diese szenetypische Verhaltens- und Einstellungsmaxime gilt für den gesamten Lebensvollzug.

Entsprechend schwierig gestaltet sich nicht selten der berufliche Alltag. Viele suchen daher ihre berufliche Zukunft im sozialen Sektor, in dem Kleidungsvorschriften vergleichsweise weniger restriktiv sind, und der auch ansonsten den Idealen der Szene - z.B. Offenheit bezüglich sozialer Randgruppen - entspricht.


symbole

Wesentliches Erkennungsmerkmal der Grufties ist ihr schwarzes, in vielen Fällen ausgesprochen auffälliges, teils provozierendes Outfit. Wichtig ist dabei die Erkennbarkeit individueller Kreativität hinsichtlich der 'Schöpfung' eines eigenen Stils. Jene allerdings, die sich zu offensichtlich um ihr Styling bemühen, selbiges oftmals wechseln oder ihre Einstellung (jenseits des Outfits) nicht genügend deutlich machen, werden als 'Fakes' oder 'Pseudos' bezeichnet. Zum Ausdruck kommt damit, daß Outfit zwar wichtig, keineswegs aber hinreichend ist für eine vollgültige Szenemitgliedschaft.

In keiner anderen Szene lassen sich so zahlreiche Beispiele zum Gebrauch von und Umgang mit Symbolen finden: Kreuze, Pentagramme, Totenköpfe, Fabelwesen, Runen das Tragen dieser Symbole als Schmuckstücke ist kennzeichnend für die Gothicszene.

Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang jedoch der spezifische Umgang mit den eigentlichen Bedeutungen, auf die diese Symbole verweisen. Einerseits definieren Gothics diese mehr oder weniger abgelöst vom ursprünglichen Kontext. So kann z.B. ein Pentagramm Verbundenheit mit Hexenzirkeln, aber auch Nähe zu Naturreligionen oder schlicht 'Kraft' zum Ausdruck bringen. Andererseits spielt Provokation beispielsweise beim Tragen eines umgedrehten Kreuzes und damit das Jonglieren mit 'eigentlichen' Bedeutungskontexten eine nicht unerhebliche Rolle.

Symbole stehen in der Gothic-Szene nicht nur für das Bezeichnete, sondern darüber hinaus schon alleine in ihrer Symbolhaftigkeit für die kulturspezifisch überaus bedeutsame Thematik der individuellen Sinnsuche.


rituale

Die Gothic-Szene ist verstärkt mit Vorurteilen ihrer nicht- szenischen Umwelt konfrontiert. So heißt es z.B. in diversen Medienberichten, Gothics würden Gräber schänden oder in (mehr oder minder) regelmäßigen Abständen magische oder satanische eben 'schwarze Messen' zelebrieren.

Zwar besteht in der Szene ein überdurchschnittlich ausgeprägtes Interesse an Themen, die mit Tod, Magie oder Mythologie zusammenhängen; die Beschäftigung mit diesen Themengebieten bleibt jedoch überwiegend eine gedankliche Auseinandersetzung. Die Mehrheit der Szenegänger distanziert sich daher explizit von Ritualen wie z.B. 'schwarzen Messen.

Den Rahmen für szenetypische Rituale bilden ausgiebige Treffen in privaten Räumlichkeiten zur geselligen Einstimmung auf nachfolgende Parties, Konzerte oder Discoveranstaltungen. Man ißt und trinkt gemeinsam, tauscht Neuigkeiten aus, hört Musik und vor allem: man stylt sich gemeinsam für die bevorstehende Nacht. Da das Outfit in der Regel mit sehr aufwendigen Make-ups und Frisuren verbunden ist, kann das kollektive Styling einige Stunden in Anspruch nehmen.Aufwendiges Styling und gegenseitiges Fotografieren stehen in einem engen Zusammenhang. Besonders gelungene Resultate der Bemühungen um ein individuelles und originelles Äußeres werden damit nicht nur dokumentiert, sondern zelebriert.

Die Bedeutung von Fotografien wird daran deutlich, daß gelungene Exemplare an Szenetreffpunkten (Diskotheken, Shops) ausgestellt und herumgereicht werden.


events

Das größte und bedeutendste Event der Schwarzen Szene ist das Wave-Gothic-Treffen in Leipzig. Zur beeindruckenden Angebotspalette gehören zahlreiche Konzerte und Parties unterschiedlichster Substile an verschiedensten Orten (z.B. in Kapellen oder Kellergewölben), Rollenspiele, Mittelaltermärkte, Referate, Dichterlesungen usw.

Zwei weitere große Events sind das Zillo-Festival und das M'era Luna-Festival in Hildesheim, die gegenüber dem Wave-Gothic-Treffen in Leipzig jedoch ein deutlich weniger vielfältiges Programm bieten: hier spielen zwar Punk- und Gothic-Bands, jedoch gibt es über die Konzerte hinaus kaum andere Veranstaltungen.

Wichtig sind jenseits dieser Groß-Events die Parties in den Diskos, die zumeist unter einem bestimmten Motto stehen und damit auf bestimmte musikalische Substile festgelegt sind. Schließlich sind die zahlreichen Konzerte nicht zu vergessen, bei denen es ganz im Gegensatz etwa zur Punk- und Hardcore-Szene recht ruhig zugeht.


treffpunkte

Als Treffpunkte fungieren hauptsächlich Diskotheken, in denen an bestimmten Wochentagen Gothic-Parties stattfinden. Ausschließliche Gothic-Diskos haben sich bislang kaum etablieren können, da das finanzielle Potential der Szene keine lukrativen Gewinnaussichten eröffnet.

Die technischen und materiellen Aufwendungen zum Gelingen einer Gothic-Party sind relativ gering: Verglichen etwa mit der Techno-Szene bleibt die Leistungsfähigkeit von Musik- und Lichtanlagen bescheiden, und zur Herstellung von Gothic-Ambiente genügen recht kostengünstige Dekorationen. Dennoch gilt es freilich, dunkel bis schwarz gefärbte Wänden, künstliche Spinnweben, an der Decke hängende Fledermäuse oder Grablichter geschickt miteinander zu kombinieren und in Szene zu setzen.

Szeneläden stellen nur zum Teil Treffpunkte dar, denn sie gelten in erster Linie als Gelegenheit zum Einkaufen, nicht aber als Ort der Kommunikation.

Gothics trennen relativ strikt zwischen Privatsphäre und Szene-Öffentlichkeit. Zur Privatsphäre zählen auch Orte wie Burgen, Kirchen, Friedhöfe und Ruinen, an denen sich zwar auch andere Schwarze einfinden, aber eben nicht, um miteinander zu kommunizieren, sondern um die dortige Atmosphäre schweigsam und in sich versunken zu genießen. Szene-Öffentlichkeit hingegen wird mehr oder weniger ausschließlich in der Diskothek oder bei den verschiedenen größeren Events hergestellt.


medien

Fanzines sind die wichtigsten Medien. Den größten Raum nehmen dort Berichte über verschiedene Bands ein, gefolgt von Hinweisen auf Festivals, Diskussionen zu Klischeevorstellungen über die Szene in der Öffentlichkeit, allgemeinen politischen und kulturellen Themen und Kontaktanzeigen. In den Redaktionen arbeiten zum großen Teil Szenemitglieder.

Ein anderes Printmedium sind Flyer, die sowohl in Discotheken, als auch bei Konzerten oder in Szene-Shops ausliegen.

Eine Besonderheit der Gothic-Szene ist die relativ große Bedeutung von Büchern. Typischerweise werden in der Szene Horror-Romane, Fantasy-Geschichten und zahlreiche Veröffentlichungen zu den Themen Esoterik und Magie gelesen. Beliebt sind schließlich auch Comics aus den Genres Fantasy, Horror und Science Fiction.

Die Nutzung des Internets wird in der Szene unterschiedlich aufgenommen. Während manche darin verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten sehen, befürchten andere einen Abschied von der Naturverbundenheit der Szene. Als Trägermedium für die Musik fungiert mittlerweile vor allem die CD, Schallplatten werden zwar als Sammlerstücke geschätzt, finden allerdings in Diskotheken kaum noch Verwendung.


strukturen

'Wahre' Gothics grenzen sich von 'Pseudos' oder 'Fakes' ab, also von jenen, die ihr 'Styling' in den Vordergrund rücken und keine besondere Weltanschauung erkennen lassen. 'EBM'-ler gelten trotz 'fehlender' Einstellung nicht als 'Fakes', sondern als mehr oder weniger profaner, dennoch zur Szene gehöriger Substil.

Eine nicht zuletzt der öffentlichen Aufmerksamkeit wegen wichtige Gruppierung innerhalb der Szene umfaßt jene, die sich mit magischen und/ oder satanischen Ritualen beschäftigen. Die allermeisten Szenegänger grenzen sich mit dem Hinweis auf Unterwanderung davon ab.

Wie in anderen Szenen auch existiert bei den Gothics eine Elite, die aus jenen besteht, die in den Redaktionen von Fanzines oder als DJ's arbeiten, die Diskotheken oder Szene-Shops betreiben, Events oder Rollenspiele organisieren, in Bands spielen usw.


relations

Zur Punk-Szene, aus der die Schwarze Szene ursprünglich entstanden ist, besteht zwar ein freundschaftliches, aber nicht sehr enges Verhältnis. Nur bisweilen zeigen sich auf manchen Gothic-Events Punks. An der Kleidung (vor allem der Gothic-Rock-Anhänger) ist noch immer der stilistische Einfluß der Punks erkennbar.

Da viele Grufties Comics lesen, besteht auch ein positives Verhältnis zur Comic-Szene. Ähnlich verhält es sich mit der Beziehung zu Heavy Metal, so daß einige Diskotheken sowohl diesen Musikstil als auch Gothic spielen.

Überschneidungen mit der SM-Szene sind sichtbar, werden von Gothics jedoch nicht grundsätzlich positiv bewertet, sondern bisweilen als 'Unterwanderung' empfunden. Von 'Unterwanderung' sprechen Gothics auch, wenn es um 'rechte' Skinheads geht.
31.3.06 15:00





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